
Lesenswert - Anfangs fand ich das Buch etwas langweilig, erst in der Mitte, bis hin zum Schluss fand ich es spannend. Empfehlenswert ist es aufjedenfall.Wenige Seiten, die schnell durchgelesen sind.
Mal eine ganz neue Seite... - Bei Adressat unbekannt von Kathrine Kressmann Taylor handelt es sich um ein kleines aber feines Büchlein in dem man einen ganz besonderen Briefwechsel verfolgen kann, der überraschende Wendungen nimmt, zumindest wenn man nicht schon vorher zu viel vom inhalt erfahren hat.Max (er lebt in Amerika) und sein sehr guter Freund Martin (ist mit seiner Familie von Amerika nach Deutschland zurückgekehrt) sind Geschäftspartner und im können durch den Verkauf von hauptsächlich Gemälden ein sehr wohlhabendes Leben führen. Beide stehen stets in Briefkontakt, um über die Geschäfte, aber auch die Familie zu sprechen. Sie bezeichnen sich als Brüder.Mit der Nazi-Ideologie ändert sich jedoch so einiges und der Briefwechsel nimmt einige Wendungen bzw. findet bald von Martins Seite kaum noch statt.Das Ende lässt Platz für Spekulationen.Mich hat besonders die Figur des Max an diesem kleinen Büchlein fasziniert. Sein starker Wille und die Tatsache, dass es nicht einfach aufgibt und der Inhalt seiner folgenden Briefe machen dieses Buch zu etwas ganz besonderem.Mehr möchte ich nicht verraten - auf jeden Fall selbst lesen!Das Vorwort von Elke Heidenreich regt auch dazu an.
Manipulation oder Fügsamkeit? - Die Deutschen sehnen sich nach etwas Großem - einer (Führungs)macht - und, wenn die kommt, dann ziehen sie alle mit!Eine durchaus provokante These, die mir durch das kleine, jedoch ausschlaggebene Werk Adressat Unbekannt, von Kathrine Kressmann Taylor sofort in den Kopf schoss. Kathrine Kressmann Taylor, eine verheiratete Werbetexterin aus New York und Mutter dreier Kinder, die sich als Autorin vor diesem Werk und auch danach keinen großen Namen gemacht hatte. Das Buch wurde 1938 als Adress Unknown in der New Yorker Zeitschrift Story Magazine veröffentlicht. 1992 wurde es nach langer Zeit erneut abgedruckt und bald darauf gelang es nach Europa.Adressat Unbekannt ist in Form eines Briefwechsels zweier guter Freunde, die in Amerika eine Kunstgalerie führen, gefasst.Die Protagonisten heißen Martin Schulse und Max Eisenstein, Max ist Jude. 1932 kehrt Martin mit seiner Familie zurück nach Deutschland. Von nun an beginnen die Briefwechsel der beiden Freunde und Geschäftspartner. Es beginnt mit Klatsch und Tratsch, verfängt sich jedoch langsam, aber heftig in die Politik.Eine großartige Aufmachung sind diese Briefwechsel, eine ungeschönte und unverblümte Verfassung, die kurz und knapp, aber eben genau auf den Punkt das beschreibt, was die Fazination dieses Buches ausmacht, denn es greift Aspekte und ganze Themenbereiche auf, die nicht nur zur NS - Zeit oder zur Nachkriegszeit aktuell waren, sondern auch noch heute, wenn auch leider stark unterschätzt, aktuell sind:In wie weit können Ideologien oder gar Mächte die Menschen beeinflussen oder manipulieren, oder in wie weit fügen sich die Menschen?
Auf den Punkt gebracht - Tausende von Seiten wurden bereits geschrieben über den deutschen Nationalsozialismus. Gelehrte aller Coleur stellten unendlich viele Theorien auf. Ein Leben reicht nicht aus, sich dem Phänomen zu widmen. Wer nicht so viel Zeit hat, der sollte dieses Buch lesen. Auf Samtpfoten kommt diese Briefnovelle daher. Doch ist die Katze aus Sack! Heiliger Strohsack. Das ist kein Streichelzoo. Ein Geschenk ist dieses schmale Buch. Taylor-Kressmann bringt die Paranoia jedes Totalitarismus auf den Punkt. Ein kleiner Trick genügte der Autorin. Mehr brauchte sie nicht. Elke Heidenreich fordert in ihrem bemühten Vorwort, dieses Buch solle Lehrbuch an Schulen werden. Im ersten Augenblick mag man das fordern. Hat man jedoch seine naive Vorstellung von Schule überbrückt, schreit man auf: Nie und nimmer. Dieses Buch sollte als taktische Waffe der Literatur weiter im Untergrund wühlen und wühlen und wühlen.
... in nuce ... - Dieses kleine Buch ist ein Schatz. Es ist Krimi und Historienroman, Biographie und Briefroman in einem. Wer es liest, wird es nie vergessen.Zum Schluss noch ein Tip: Schenken Sie sich das vorlaute Vorwort von Frau Heidenreich. Sie plaudert nämlich das Ende aus. Peinlich für einen Bücher-Profi, finde ich.