
Genau!!! - Ich will s kurz machen und die bisher verteilten Sterne nur absichern! Sehr witzig, sehr intelligent! Hat man alles schon mal so ähnlich gelesen, aber dann doch wieder nicht. Besonders etwas für Chandler-Fans!
Skurriler Humor und Wortwitz - ein Meisterwerk - Detektiv Meyer Landsman, abgetakelter Polizist in Sitka, der Hauptstadt der Juden, ermittelt in einem Mordfall. In dem schäbigen Hotel, in dem er wohnt, wurde sein Zimmernachbar, ein ehemaliges Schach-Wunderkind, erschossen, und gemeinsam mit seinem Partner Berko beginnt er die Untersuchungen, die ihn zu den Gründungsvätern der Stadt, Schachmeistern und in religiöse Randbezirke führen. Beruflich und privat steckt der Ermittler in einer Sackgasse (er säuft und seine Chefin ist die Exfrau). Als Landman mit seinen Ermittlungen beginnt, erhält er von ganz oben die Anweisung, den Fall zu den Akten zu legen. Aber der Cop ermittelt auf eigene Faust und gerät tief in die Fronten zwischen politischen Zielen und religiösem Wahn.In diesem irrwitzigen literarischen Szenario wird dargelegt, wie die Geschichte vor sechzig Jahren hätte verlaufen können: Jüdische Flüchtlinge erhalten ihren Staat in Alaska, Distrikt Sitka, in dem sie nach dem Holocaust und dem Zusammenbruch des Staates Israel im Jahre 1948 eine neue Heimat finden. Hier entsteht eine eigene Welt, in der das Leben trotz der klimatischen Widrigkeiten pulsiert und in der Jiddisch Umgangs- und Amtssprache ist. Doch jetzt soll der Distrikt an Alaska zurückfallen und sich die Geschichte wiederholen – erneut droht den Juden Vertreibung und Heimatlosigkeit.In diesem packenden Lovestory-Thriller sprüht Michael Chabon (Pulitzerpreisträger) vor wahnwitzigen Ideen. Seine Hommage an die Krimis der 40er Jahre, geschmückt mit vielen jiddischen Ausdrücken, ist temporeich und witzig geschrieben. Viele Ausdrücke können nicht oder nur schlecht übersetzt werden und finden im Anhang eine ausführliche Erklärung. Das Buch stand monatelang auf den amerikanischen Bestsellerlisten.Fazit: Die jüdische Geschichte, ihr außerordentlich skurriler Humor und Wortwitz machen diesen Thriller zu einem wahren Meisterwerk Chabons, den man nicht zur Seite legen mag.
Ein ganz klassischer Krimi ...und noch sehr viel mehr... - Ein hartgekochter Ermittler, seine Ex-Frau und Vorgesetzte, sein Cousin und Partner mitsamt niedlicher Familie, und ein Mord im Hotelzimmer nebenan. Ein ganz klassischer Krimi. ...und noch sehr viel mehr!Denn die Sache mit Israel vor 60 Jahren hat nicht geklappt und die vertriebenen Juden haben sich im Distrikt Sitka in Alaska angesiedelt. Arktische Kälte also statt mediteranem Flair, aber eben auch so wunderbare Einrichtungen wie die Caféteria Polar Schtern und das Hotel Zamenhof, in dem alles in Esperanto beschriftet ist. In ein paar Monaten läuft der Vertrag aus und der Distrikt Sitka fällt an die Amerikaner zurück, so wie damals Hong Kong an China.Vor diesem Hintergrund erzählt Michael Chabon so witzig, spannend und liebevoll detailliert, dass man Sitka und seine Bewohner trotz des schlechten Wetters und der aussichtslosen Lage lieb gewinnt und bleiben möchte. Wer sehr langsam liest (oder eben mehrfach) dem könnte der nahtlose Übergang zum Film der Coen Brüder gelingen, der für 2010 angekündigt ist.
Ein Kriminalroman der literarischen Spitzenklasse - Michael Chabon Die Vereinigung jiddischer PolizistenKiepenheur&Witsch ISBN 3462039725In Alaska wird die Stadt Sitka als die Hauptstadt der Juden ausgegeben. Auch so könnte man sich also die Gründung eines Judenstaates vorstellen: nach dem Holocaust und dem Zusammenbruch des Staates Israel 1948 gründen die Juden in Alaska vorübergehend einen neuen Staat. Inzwischen droht auch hier die erneute Ausweisung.Verrückt mutet das Szenario an und ist doch durchaus vorstellbar: überall in der Welt könnte ein Judenstaat entstehen. Und immer wieder würde das Dasein der Menschen eines Tages durch Vertreibung enden. Visionäre Ausblicke!Mit erheblichem Aufruhr beginnt der Roman von Michael Chabon, der in diesem fiktiven Staat spielt: in einem Hotel in der Stadt wird ein ehemaliges Schach-Wunderkind ermodert aufgefunden! Und Kriminalkommissar Meyer Landsman rätselt, wer der Mörder sein könnte!Meyer Landsman und sein Kollege geraten bei der Suche nach dem Mörder an den Vater des Opfers: es ist der angesehene Rabbi Heskel Shpilman, ein feister Koloss von einem Mann.Die Todesnachricht überrascht ihn nicht. Er hat den Sohn schon vor Jahren für tot erklärt und das Kaddisch über ihn gesprochen, weil er auf die schiefe Bahn geraten war.Landsman bleibt beharrlich auf seinem Kurs. Ihm scheinen die äußeren Bedingungen für den Mord rätselhaft. So habe der Sohn als kleiner Junge gewisse Anzeichen von sich gegeben, dass er der ersehnte Tzaddik ha-Dor, Gerechter seiner Generation, eine Art Messias, sein könne.Bei der nachfolgenden Suche nach dem Mörder von Mendel Shpilman verstrickt sich Landsman in weit reichende Schwierigkeiten. Eine ausgedehnte Intrige und Vertuschung bei der Aufklärung des Mordes von ganz oben wird ihm zum Verhängnis. Er wird vom Dienst suspendiert, lässt aber nicht locker. Seine Frau Bina schützt ihn. In einer sehr anrührenden Szene begegnet Landsman seiner Ex Frau Bina, die neuerdings seine Vorgesetzte in der Mordkommission ist. Immer noch spürt man die Zärtlichkeit, die sie einst verbunden hat. Verhalten und scheu bleiben sie sich ferne, und nur die Sehnsucht nach ihr ist immer noch spürbar,---und bleibt es bis zuletzt! Auf abenteuerlichen Wegen gelangt Landsman in eine abgelegene Gegend, erlebt spannende Suchoptionen, erfährt vom Tod seiner Schwester und deckt ein weit verzweigtes Netz von spinnerten und abwegigen jüdischen Religionsfanatikern mit politischen Absichten auf. Ein Abenteuer löst das andere ab und bietet Spannung pur.Landsman kommt seinem Wunsch, die Aufklärung des Mordes an Mendel Shpilman voran zu treiben, immer näher.Das Buch ist voller hintergründiger Einzelheiten und Anspielungen auf die jüdische Religion, Geschichte und Tradition. Abenteuerliche Winkelzüge und kaum vorstellbare Verwicklungen führen den Leser an der Nase herum.Scharfzüngig und geistreich reiht sich eine Spitze an die andere. Szenen voller Tiefenschärfe und geheimnisvoller Rituale verlangen dem Leser einige Kenntnis über jüdisches Brauchtum ab. Die eigentliche Kriminalgeschichte ist eingebettet in die fiktive Geschichte dieses imaginierten jüdischen Staates in Alaska. Befreiungs- und Erlösertheorien wechseln ab mit kriminellen und politischen Machenschaften, und das Ende ist gut.Michael Chabon, der Pulitzerpreisträger, sprüht über vor Ideen, wenn es darum geht, eine Fantasiegeschichte zu erfinden.Seine Prosa, durchmischt mit vielen jiddischen Ausdrücken, die nicht jeder immer gleich übersetzen kann,--aber dazu gibt es ein Anmerkungsverzeichnis, --- ist temporeich und witzig. Man sollte auf der Hut sein, zu glauben, dass man die Geschichte gleich versteht. Der Autor verlangt uns Wissen um die jüdische Geschichte, Witz und Humor ab, um die vielen skurrilen Einzelheiten zu begreifen. Hat man sich aber einmal eingelesen, kann man von dem Text nicht mehr lassen!Eine Leistung ist die Übersetzung von Andrea Fischer, die sich wieder einmal als hervorragendes Sprachgenie erweist.