
Bissig und böse -- und sehr gescheit - Mir ist s ja schon öfter passiert, dass das witzigste an einem fiese Storys ankündenden Buch der Titel war -- aber Shalom Auslanders Vorsicht, bissiger Gott ist tatsächlich prall gefüllt mit fiesen Stories, alle Erzählungen strotzen vor rabenschwarzem Humor. Auslander hat nämlich vor nichts Ehrfurcht und nimmt kabbalistische Rechenkunst der besten Mystizismus-Tradition (in Danke fürs Mitspielen) genauso aufs Korn wie fromme Dilemmata (in Sensationelle Offenbarungen aus dem verschollenen Buch Stan) und noch mehr. Welche Seelenqualen den theologischen monotheistischen Kapazitäten der Fund der bis dato ältesten Texte des Alten Testaments bereitet, wenn hier der allseits bekannte Text mit der ungeahnten Einleitung beginnt: Das Folgende ist ein Werk der Dichtung. Jede Ähnlichkeit mit lebenden oder toten Personen ist rein zufällig? Die versammelte Gelehrtenzunft der Theologie ist nicht begeistert, und Stan widerfährt Bemerkenswertes... Immerhin, die finanzielle Zukunft seines Sprösslings ist gesichert...Ganz anderswo lauern die Pferdefüße bei der Golem-Produktion, und für Auserwählte in New York ist das Leben auch nicht immer leicht -- vor allem dann, wenn Schwartzman den Bau einer Arche verweigert und der HErr sich als ausgebuffter Stalker erweist. Und was, wenn Gott sich als großes glückliches Huhn entpuppt?Noch gemeiner ist ein Schulaufsatz, der Pfadfinderkenntnisse und Liebestriebe eines Elfjährigen mit dem Bericht über Filme zum Thema Holocaust zu haarsträubendem Gebräu verrührt (Holocaust-Tipps für Kidz). Das ist von einer schmerzhaften Fiesheit, gerade weil es grausige Tatsachen und kindliche Dummheit einander gegenüberstellt und untrennbar miteinander vermengt. Dass so etwas übel danebengehen kann, dürfte klar sein, aber Auslander bekommt die Gratwanderung immer hart am Rand des gimmigsten Sarkasmus so hin, dass einem beim Lesen die Sinne schwinden.Auch in allen anderen Erzählungen dieses Debüt-Bandes brilliert Auslanders pechschwarzer Humor -- mit seiner Verwandlung-Persiflage (und einigen anderen) decouvriert er die Schattenseiten chassidischer Gelehrsamkeit, in Die schützende Hand ganz oben präsentiert er die logistischen Querschläger für Gottes Vorsehung, die die Sicherheit moderner Autos der Trinität aus Gott, Tod und Luzifer beschert. Auslander ist mit orthodoxem Judentum und Chassidismus bestens vertraut, das merkt man in jeder Zeile, er weiß, was er hier respektlos und sehr gescheit auseinandernimmt. Sein Humor ist bösartiger, als man es sich vorstellen kann, und vor allem treffen die Pointen mitten ins Schwarze.Und was auch nicht selbstverständlich ist: Robin Detje hat hier gezeigt, wie eine gelungene Übersetzung auszusehen hat. Schließlich haben sprachgewaltige Originale auch solide Übersetzungen verdient.
Bekomme ich durch Religion ein schlechtes Gewissen? - Ein Mann namens Bloom entkommt knapp dem Tod in einem schrecklichen Verkehrsunfall und Bloom bedankt sich dafür bei Gott, aber Gott hatte mit dieser göttlichen Fügung gar nichts zu tun. Die Errungenschaften für Sicherheit in modernen Autos vereiteln den großen himmlischen Plan Bloom zu töten. Also kommt er runter, um den Überlebenden im gepanzerten Volvo persönlich mit einer 45er.zu erledigen. Die Geschichten handeln von überkommenen Moralvorstellungen und religiösem Wahn sowie von den Schwierigkeiten, die Menschen heute mit ihrem Glauben teilweise haben.Manchmal bekommt man als Leser schon ein schlechtes Gewissen bei den vielen Tabubrüchen die Shalom Auslander, der aus einer jüdisch-orthodoxen Familie stammt,begeht. Aber eigentlich ist das Buch lustig, amüsant, eine Auseinandersätzung mit Religion und spielt in New York. Ich bin Christ und kann das Buch nur sehr empfehlen und viel Spaß beim Lesen wünschen.
Fantastisches Buch - Einfach genial! Es macht Spass sich die Geschichten durchzulesen, die auf so amüsante Art und Weise mit Religion und unreflektierter Hörigkeit umgehen. Kann ich nur empfehlen!